Review MIXCON 2020

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I see You, Baby!

Vom 28.-29. Februar 2020 stand die Mixcon Volume 4 an – wieder in der BMW-Welt in München.

Größer, breiter, höher könnte man das Motto -quasi entsprechend zur Location– nennen. Was bei Volume 1 und 2 noch einer eher elitäre Insiderveranstaltung war, hat sich mittlerweile zum etablierten Groß-Event gemausert und ist somit auch ein Stück weit im Mainstream angekommen. Der Berufsverband Discjockey e.V. mit dem DJ-Magazin reisten wie die Jahre zuvor mit einem kleinen Team in die Bayern-Metropole an der Isar.

Die Titulierung »Mainstream« ist aber ganz und gar nicht negativ gemeint, denn so soll es ja auch sein. Wenn man als Veranstalter viele kleine Newcomer-DJs mit einer nicht weiter zu definierenden Follower-Crowd im Schlepptau und einem Boardcase hinter sich herziehend, über die Messe laufen sieht (wohlgemerkt alle mit dem Smartphone, gerade eine Insta-Story verfassend, in der Hand), weiß man, man hat alles richtig gemacht!

Um nicht gleich den falschen Eindruck von dieser tollen Veranstaltung zu erwecken – es waren neben den Blendern natürlich viele, viele Leute vor Ort, die wirklich etwas zu sagen und auch vorzuweisen haben – von DJs, Producern und Artists über A&Rs, Labelchefs und Bookern statteten etliche namenhafte Branchengrößen der MIXCON ihren Besuch ab. Davon zeugten auch die zahlreichen Panelveranstaltungen, von denen es reichlich und qualitativ hochwertige gab – so reichlich, dass man sogar eine vierte Bühne schaffen musste. Es durften oder mussten die Besucher zwischen der Mainstage, der Skillz Stage, der Rooftop Stage und der Public Stage (einzige Stage, die Besuchern mit dem Exhibition-Only-Ticket zugänglich war) hin- und her-switchen, was einem so manches Mal vor die Qual der Wahl stellte. Ein luxuriöses Problem, zugegebener Maßen!

Auch der Ausstellerbereich hatte sich im Vergleich zum Vorjahr vergrößert und fand sich in einer separaten Halle wieder. Eigentlich alle Hersteller, sei es Audio Technica mit den Brands Allen&Heath, Play Differently und X:one, inMusic mit den Brands Akai, Rane DJ, und Denon DJ, Pioneer DJ, Technics, AIRA Roland, Reloop, elevator und Glorious waren vertreten und präsentierten das neueste DJ-Equipment. Aber auch Software Hersteller wie Cubase, FL Studio oder Ableton waren am Start, ebenso Anbieter von DJ- und Producer Kursen und weitere Hardware-Unternehmen wie Yamaha, Adam Audio oder beispielsweise Eich Amplification, die einen Audio-interactiven Dance Floor präsentierten.

Natürlich darf bei einer DJ- und Producer Conference der musikalische Aspekt -respektive das Feiern zur Musik- nicht fehlen. Wieder hatten Käufer des Full Tickets mit dem Club Pass freien Zugang zu etlichen Veranstaltungen in einigen der angesagtesten Clubs in München. Viele der Main Speaker gaben sich an einen der zwei Tagen zu später Stunde auch die Ehre an den Decks – darunter Hugel, LOVRA, DJ Tomekk, Dominik Koislmeyer (Fr.) sowie MANDY, DJ Polique und Niels van Gogh (Sa.) im Neuraum, Joachim Pastor im Harry Klein, Tom Novy und Sandy Dae im Izakaya oder Pretty Pink in der MilchundBar. Auch hier war es dem Messebesucher, insbesondere dem leidtragenden Aussteller, unmöglich, alles was an tollen Parties und Musik geboten wurde mitzunehmen, so sehr einem das Herz auch blutete.

Unser Fazit: Ja, die MIXCON ist ein Stück weit kommerzieller geworden – das hat durchaus seinen positiven Aspekt und hilft der Branche mehr, als wenn man in einem kleinen, elitären Kreise zusammenhockt und niemanden juckt es. Also war es auch ein Stück weit Schaulaufen, nach dem Motto »I see You, Baby«. Die MIXCON ist trendy, und das haben nicht nur die Insider der Branche erkannt. Und ja, die MIXCON ist ein etabliertes Branchen-Event und andere Veranstaltungen dieser Art werden dies berücksichtigen müssen, denn allein vom Zeitpunkt her hat sich die MIXCON sehr, sehr schlau positioniert: frisch von der NAMM Show (auf der nun einmal die meisten Neuerungen uraufgeführt werden) präsentieren viele Aussteller ihre Highlights zum aller ersten Mal dem deutschen Fachpublikum. Alle späteren Events können nur noch das zeigen, was viele Augen auf der MIXCON bereits gesehen haben. Noch ist die Messe überwiegend für den Clubbereich konzipiert – es bleibt abzuwarten, ob die nicht minder wichtige Personengruppe der mobilen DJs mit einbezogen werden kann und möchte. Ganz selbstbewusst haben die Veranstalter in Persona Bernd Closmann, Jens Witzig, Jo Kraus und Stoyan Velkov deshalb auch schon kurz nach Messeschluss den Starttermin für 2021 (26./27. Februar) bekanntgegeben und Blind-Tickets angekündigt. Da war jemand anscheinend sehr zufrieden mit dem Verlauf der MIXCON 2020!

Text, Fotos: André Hallbauer
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