MIKE LA FUNK

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FUNKY, BUNT UND WEIT GEREIST

Keine Frage, seit fast 20 Jahren überzeugt Mike La Funk mit seinem besonderen Sound regelmäßig die Club- und House-Szene. Mike La Funk gilt als einer der innovativsten, authentischsten und kreativsten Köpfe auf dem Gebiet der House-Musik. Sein Markenzeichen ist ein urbaner und  kosmopolitischer New Yorker House-Stil – sanfte Basslinien und hypnotisierende Grooves, die mit einer großen Portion Soul garniert werden.

Hallo Mike – wir vom DJ-Magazin freuen uns, einen echten Musikenthusiasten und Insider und Top DJ des Musikbusiness interviewen zu dürfen. 2019 feierst Du sogar einen runden „Geburtstag“: 20 Jahre MIKE LA FUNK! Erzähle uns bitte einmal kurz, wie Du vor 20 Jahren angefangen hast, Musik zu machen.
Ja, gute Frage, da muss ich mal ganz weit zurückspulen. Schon als kleiner Bub hab ich mich für Musik interessiert und Radiosendungen mit dem Tonband meines Vaters aufgenommen und geschnitten. Später hab ich Schallplatten für mich entdeckt und mich mit Plattenspieler, Mischpult und dem ganzen Equipment ausgerüstet. Immer wenn ich mit meinen Freunden in Clubs unterwegs war, vor allem melodischer Deep House übrigens, haben meine Leute getanzt und gefeiert und ich stand die ganze Zeit beim DJ. Ich wollte wissen, wie Auflegen technisch funktioniert, wie man die Übergänge hinkriegt – das fand ich faszinierend. Ich wollte das auch können, diese Vibes aussenden, dieses Feeling transportieren, und hab dann mit 17 die ersten Homeparties veranstaltet. Seitdem hat sich alles immer weiter entwickelt. Ich wollte und will noch heute mit meiner Musik Leute beglücken, was Positives nach außen tragen…  (überlegt) vielleicht kommt es daher, dass ich als Kind Artist werden wollte, die treten ja auf und unterhalten.

Mike legte bereits auf der Aftershow-Party eines Formel-1-Rennens in Abu Dhabí oder im Rahmen des ADE.

Deinen Stil beschreibst Du selbst als “Energetic House Music” und bist über die Jahre hinweg dem guten alten „Vocal“ House treu geblieben. Ist das korrekt und welche Zutaten gehören in Deinen Sound und warum melodische House Music?
Naja, weil ich von genau diesem Sound geprägt worden bin. Techno war mir schnell zu monoton und passt einfach nicht zu mir. Ich bin ein bunter Mensch, bin funky und lebendig. Ich will ja auflegen und rüberbringen, was ich selbst empfinde und das ist Energetic melodic House. In meinen Sound gehören energiegeladene Spannungsbögen und Vocals mit coolem Refrain, tollen Lyrics und powervollen Stimmen. Mein „House“ ist kein Standard-Sound und wenn ich irgendwo auflege, schicke ich mein Publikum immer auf eine Reise, mal deeper, mal lebendiger, kommt ganz auf die Leute an. Eintönigkeit gibt’s bei mir nicht.

Deine Bookings führen Dich regelmäßig um den gesamten Erdball – was war Dein persönliches Highlight, das atemberaubendste/krasseste Event, für das Du gebucht wurdest und wo spielst du am liebsten Club oder Festival?
Da fallen mir gleich mehrere ein. Eins meiner Highlights war die Aftershow-Party eines Formel-1-Rennens in Abu Dhabí. Da hab ich auf einer riesigen Yacht aufgelegt. Ansonsten war auch die Silvester-Party vor zwei Jahren ganz groß: Ich hab in der Dominikanischen Republik aufgelegt, am Strand unter Palmen. Der Sound war extrem gut und die Party hat einfach kein Ende gefunden. Super emotionales Event. Die coolste House Party war für mich das ADE (Amsterdam Dance Event), das wichtigste Event der internationalen DJ-Szene mit Meetings, Workshops und den geilsten Parties überhaupt. Da durfte ich letztes Jahr auf der Ocean Diva auflegen und mir damit einen großen Traum erfüllen… Was die Locations angeht, finde ich Clubs cooler, weil ich den Sound besser transportieren kann und Kontakt zu den Gästen habe. Aber auf Festivals ist die Atmosphäre schöner.

Sicherlich kommen diese Anfragen auch aufgrund Deiner zahlreichen Veröffentlichungen auf namenhaften Labels wie Pacha Records und Armada Deep – wie kam es dazu dort releasen zu können und ist es als Artist wichtig auf namhaften Labels zu releasen?
Ja, das ist wichtig. Vor allem große Labels pushen deine Musik und haben viel mehr Möglichkeiten, dich als Künstler nach vorne zu bringen. Zu Pacha Records dem Kult Label aus IBIZA bin ich gekommen, weil mich ein DJ aus Spanien beim Auflegen gehört hat, fand meine neuen Produktionen super (die ich beim Auflegen immer teste bevor ich sie auf einem Label release). Er hat das A&R / Labelmanagement bei PACHA gemacht und ich sollte meine Tracks an das Label schicken und das hat gleich geklappt und nun ist bereits die vierte Veröffentlichung auf dem Label geplant. Armada kam selbst auf mich zu, weil sie einen Track von mir bei Soundcloud gehört hatten und ich bereits vorab einen Remix für einen anderen Künstler gemacht hatte der gut durch die Dinge ging.

Dein aktueller Track „Alive“ (feat. Lyla Bull) erreichte kürzlich über eine 1 Million Spotify Streams innerhalb kurzer Zeit – das ist schon eine imposante Zahl, zu der wir ganz herzlich gratulieren – dein persönlich größter Erfolg?
Ja, mein größter Erfolg im Streaming. Ich hatte Spotify jahrelang nicht auf dem Schirm, aber jetzt pflege ich mein Profil ordentlich, erstelle Playlisten und vernetze mich mit Leuten. Hat viel gebracht – der Track hatte 100.000 Plays und kam dann in einige große Listen mit fünf Millionen Followern die direkt durch Spotify kuratiert wurden. Dadurch ging er ganz schnell nach oben und haben bald die 2 Millionen Marke erreicht.

Die Single „Alive“ (feat. Lyla Bull) erreichte schon über eine 1 Million Spotify Streams.

Wer Musik macht, muss diese auch vermarkten – neben der Tätigkeit als DJ und Producer bist auch im Musikmanagement/Marketing aktiv. Wie wichtig ist die Vermarktung für den kommerziellen Erfolg heutzutage und was sollten Nachwuchs-DJs beachten?
Ich sag mal so: als ich angefangen habe, war alles analog. Die Hürden für Nachwuchs-DJs waren zwar höher, weil sie komplettes Equipment brauchten und sich echt reinknien mussten, um Kontakte zu knüpfen und auflegen zu dürfen. Aber dadurch gab es auch wesentlich weniger DJs. Heute kannst du ganz leicht Musik mit deinem Laptop produzieren und sie dann online vermarkten, sogar ohne Label. Früher hast du dich zu 80% um die Musik gekümmert und zu 20% um die Vermarktung – heute ist es andersrum. Es gibt zu viele Kreative und es wird oft vergessen, dass auch DJs ihr Handwerk erlernen und beherrschen müssen.
Tja, was würde ich Nachwuchs-DJs raten… seitdem ich Musikmanagement und Marketing studiert habe und seit fast 20 Jahren im Musikbusiness tätig bin, hat sich meine Perspektive enorm erweitert. Aber das Wichtigste ist: Suche dir deinen Sound, einen Sound, den du lebst und fühlst und kopiere nicht. Übe und befasse dich mit dem, was du transportieren willst. Netzwerke, verbinde dich mit erfolgreichen DJs, schicke ihnen Tracks. Vielleicht bekommst du Feedback.

Und die aktuellen Plattformen dazu sind Streaming-Dienste wie Spotify? Apple kündigte ja kürzlich die Einstellung von seinem iTunes Stores an. Das Thema Downloads ist also bald durch?
Ja, Spotify ist ’n riesen Tool, mit dem man und seine Musik gefunden wird. Problem ist allerdings, dass man auch dort untergeht, wenn man nicht in großen kuratierten Playlisten ist. Wenn man da aber reinkommt, erscheint man im Analyse-Tool für Labels, die dann auf einen aufmerksam werden. (Ähnlich wie es jahrelang bei Soundcloud gemacht wurde). Grundsätzlich wird Streaming auf jeden Fall immer stärker, weil die Menschen immer mehr neue Musik wollen und sich die Computer nicht mehr mit Downloads vollknallen. Mit Streams kann man mittlerweile langfristig definitiv mehr Geld verdienen, als mit Downloadverkäufen.

Also Vermarktung ist „almost everything“. Welche Gefahren birgt das für den Künstler, auch in Hinblick auf den kürzlich verstorbenen Avicii? – gibt es aktuelle Beispiele für erfolgreiche Karrieren abseits des ganzen „Tohuwabohu“? Wie sieht es beispielsweise bei einem wie Jan Blomqvist aus, der zwar auf allen sozialen Kanälen aktiv ist, aber sehr selektiert und zurückhaltend, und trotzdem ein ganz Großer der Szene ist?
Na der Jan ist ja ein Techno-DJ und Techno hat immer noch ne Sonderstellung im Social Media, weil es den Underground lebt. Daher ist es von Techno-DJs nicht so gern gesehen, sich zu präsentieren – die Marketingstrategie ist wahrscheinlich, sich schön rar zu machen. Und zu Avicii… in einer Doku habe ich gesehen, dass er ein sehr introvertierter Mensch war, der einfach nur gern Mucke gemacht hat. Kein Selbstdarsteller. Das ist natürlich ein Problem, wenn man dann plötzlich auf der ganz großen Bühne steht. Wir DJs sind im härtesten Business der Welt, dem Musikbusiness… Da muss man sich viele Auszeiten nehmen, was nicht so einfach ist wenn man exklusiv an ein Management, Label und Verlag gebunden ist… es geht um verdammt viel Geld, da wird dann oft vergessen das hinter der Marke ein Mensch steckt und kein lebloses Produkt.

Mit Vollgas ins Jubiläumsjahr – für 2019 hat sich Mike La Funk Einiges vorgenommen!

Einen Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2019 – was steht Neues bei Dir an?
Auf jeden Fall viele neue Tracks. Es kommt eine mega Produktion bei Armada Music mit einem DJ und Producer aus Miami, ein Corporation Track und dann noch ein geiler Cover Track, da will ich aber noch nicht so viel verraten, tolle Nummer. Und es ist eine Jubiläumstour 2019 geplant, „Zwei Dekaden MIKE LA FUNK“. Bei meinen Gigs werden mich Live-Sänger und Musiker mit Saxophon und Percussions oder E-Violine unterstützen, die das besondere House-Feeling transportieren. Und wenn alles klappt, gibt es bis Ende des Jahres ein Album, das meine Musik der letzten zwanzig Jahre widerspiegelt. Ansonsten bin ich weiterhin überall in den schönen Ecken der Welt mit meiner Musik unterwegs.

Wir sind gespannt! Vielen Dank für die Zeit, die Du Dir für uns genommen hast, Mike!

Text: André Hallbauer · Fotos: Mike La Funk

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