Interview Ralph Wegner

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DJ-Magazin im Interview mit dem Braunschweiger Produzenten

Ohne Sounds keine Stars. Der Musikproduzent ist das Multitalent im Hintergrund. Am bekanntesten ist er als producer/composer für David Guetta. So talentiert, wie Guetta ist, braucht er jemanden, der ihn fördert und seine Ideen in populäre Tracks umwandelt. Es ist teilweise sehr beeindruckend, wie kreativ manche Musiker sind und hinter wie vielen Erfolge jene wirklich stecken. Einer davon ist Ralph Wegner –  ein außergewöhnlicher Produzent und Songwriter aus Braunschweig (DE). Wir haben mal bei ihm nachgefragt und ein kleines Interview über seine Musik gemacht.

Wo bist du gerade und wie geht es dir dort?
Ich bin aktuell zuhause in meinem Studio, wo ich mich eigentlich immer wohl fühle

Für Leute, die dich noch nicht kennen. Möchtest du dich gerne mal vorstellen?
Ich bin Ralph Wegner, Musikproduzent/Songwriter/Sounddesigner aus Braunschweig. Mit Musik als Drummer mit 16 Jahren angefangen. Mit Soloprojekten und verschiedenen Aliases im elektronischen Bereich seit 2003 auf diversen Plattenfirmen veröffentlicht. Seit über 7 Jahren Team Partner von David Guetta.

Wie sieht dein Tag grundsätzlich aus?
Da ich mein Studio bei mir zu Hause habe, geht es nach dem Aufstehen und Mails checken schon direkt los. Der Mix vom Vorabend wird etwas korrigiert, da die Ohren am Morgen frischer sind als Abends. Einige Störfrequenzen bekomme ich aber nicht immer raus. Es ist meine Katze, die mir klar macht, dass sie erstmal eine Runde mit mir spazieren gehen möchte. Danach wird es aber konkreter und ich nehme mir ein neues Projekt vor. Am liebsten erstmal ganz unbefangen neue Ideen aufnehmen. Wenn ich den ganzen Tag an einem Mix gearbeitet habe und mich später erst an eine neue Komposition setze, sind bis dahin schon zu viele Gedanken gekreist. Musik machen ohne zu denken, gefällt mir am besten. Man ist dann unbefangener. Es läuft aber nicht jeder Tag gleich ab, denn wenn David beispielsweise in Amerika ist, arbeite ich auch mitten in der Nacht mit ihm über Facetime. Wir stehen fast täglich in Kontakt, um die Arbeit an neuen Projekten zu besprechen.

Ralph Wegner ist einer der erfolgreichsten Musikproduzenten/Songwriter/Sounddesigner in Europa. Der Braunschweiger
arbeitet seit 7 Jahren als Team Partner
mit der französischen DJ-Legende David
Guetta zusammen.

Wie oft in der Woche arbeitest du denn im Studio an neuer Musik?
Man kann eigentlich sagen, dass ich fast jeden Tag neue Ideen aufnehme. Ob ich dann später darauf zurückgreife, ist eine andere Sache. Musik steht aber generell täglich auf dem Programm. Irgendetwas bringt dich immer weiter oder inspiriert dich. Oftmals sind ein paar neue Plugins, die ich ausprobiere.  An manchen Tagen konzentriere ich mich ausschließlich auf die Programmierung neuer Sounds und Samples.
Natürlich muss es aber auch musikfreie Phasen geben um deine Akkus aufzuladen. Im Sommer stelle ich mich auch gerne mal mit dem Auto in die Natur um aus dem Studio rauszukommen. Macbook mit Mini-Keyboard laufen dann über die Anlage im Auto.

Als Produzent hast du schon einige Alben produziert. Welche Veröffentlichung ist bisher deine wichtigste?
„Wichtig“ ist ja immer Auslegungssache. Wichtig im Sinne von erfolgreich oder persönlich wichtig und bedeutungsvoll. Meistens waren es eher Singles. Die allererste Veröffentlichung im Jahr 2003 (damals noch auf Vinyl) ist natürlich ein wichtiger Moment an dem alles begann. Das war der Titel „Unstable System“ von einem meiner damaligen Pseudonyme „Prestige“. Stylemässig war es damals Trance. Meine ersten House releases hatte ich auf Alphabet City Records unter dem Namen „Imperator“ u.a. mit dem Titel „From The Future“. Die erste Veröffentlichung mit David Guetta mit dem Titel „Blastoff“ (2013) war sehr wichtig als Einstieg in die kommerziellere Welt. Ziemlich erfolgreich war z.B. „Shot Me Down“ (David Guetta) mit Platinum und Gold Auszeichnungen in mehreren Ländern. Die beiden Alben „Listen“ (David Guetta) 2004 und das letzte Album „7“ sind natürlich auch als wichtige Erfolge zu verzeichnen. Auf letzterem Album sind es 11 Titel auf denen ich vertreten bin.

Derzeit sprechen ja viele über Corona-Krise. Sterblichkeitsraten, Pleite, und, und, und. Inwiefern bist du von der Corona-Krise betroffen und wie nutzt du aktuell die Zeit?
Selbstverständlich bin ich auch von der Corona-Krise betroffen. Ein reiner Produzent/Songwriter hat ohne den performenden Artist keine Überlebenschance. Wenn der Artist keine Gigs hat, werden auch einfach keine Tracks benötigt. Glücklicherweise gibt es im Rahmen meiner Teamarbeit etwas Spielraum. Wir nutzen die Zeit definitiv um neues Material zu erschaffen. Für David persönlich hat Corona sogar einen sehr positiven Effekt – in Bezug auf private Freizeit und Studioarbeit. Das sieht natürlich bei kleineren Artists leider ganz anders aus. Ich hoffe sehr, dass wir das Problem in den Griffbekommen und die gesamte kunstschaffende Szene wieder aufleben wird.

Wie kann Musik deiner Meinung nach in der aktuellen Zeit helfen?
Musik verbindet. Auch in Zeiten von Corona. Dank der sozialen Medien ist es jedem trotzdem möglich sich auszutauschen, mitzuteilen und in Kontakt zu stehen.David hat ja diesbezüglich schon Benefizkonzerte unter dem Namen „United at home“ gegeben.

Erzähle uns noch ein wenig darüber, wie es zu deiner Arbeit mit David Guetta  gekommen ist. Ich hatte damals im Jahre 2004 eine Firma gegründet (soundorder.com), die Sounds und Samples herstellte. Damals gab es noch nicht so viele Hersteller, wie heute und der Markt  war noch überschaubar. Meine Firma lief einige Jahre ziemlich gut, doch irgendwann wurden wir dann auch Opfer der Internetpiraterie, so dass die Verkäufe der Produkte in den Keller gingen. Als bei einem  Kunden der Download eines Produkts nicht funktionierte, kamen wir ins Gespräch. Ich dachte mir, dass ich seinen Namen irgendwo schon mal gehört oder gelesen habe.  Tatsächlich… Es war der Name Frederic Riesterer. Songwriter und producer von David Guetta. Er sagte mir, dass er schon seit der ersten Stunde an, der Kunde meiner Firma wäre und  meine Sounds schon lange in den Produktionen benutzen würde. Das ehrte mich natürlich. Als ich ihm erzählte, dass es um die Firma nicht gut stehe, hatte er eine Idee. Eine für mich sehr gesegnete Idee. Er lud mich nach Frankreich ein, dass man sich persönlich kennenlernen könne und über die Musik, Sounds und Samples zu sprechen. Wir merkten sofort, dass wir auf einer Wellenlänge schwammen und verstanden uns ausgezeichnet. Umso mehr, da wir die gleiche Einstellung und den gleichen Humor teilten. Wahrscheinlich auch, weil ich ein grosser Louis de Funes-Fan bin… Haha. Kurze Zeit darauf wurde ich dann im Sommer 2013 von Fred und David nach Hannover zu einem Gig eingeladen um David kennenzulernen und im Anschluss  eine weitere mögliche Zusammenarbeit zu besprechen. Meine allererste Produktion daraufhin war „Blastoff“, die auch sofort veröffentlicht wurde. Von da an war alles klar…

Was ist mit David Guetta in Zukunft geplant? Wird es ein neues Album geben? Wenn ja, wann?
Verständlicherweise kann ich dazu keine konkreten Angaben machen, da Pläne auch gerne kurzfristig über den Haufen geworfen werden können.  Seit dem letzten Album „7“ wurde festgestellt, dass sich der Markt für Alben komplett verändert hat. Wenn früher ein Album veröffentlicht wurde, konnte man daraus über zwei Jahre verteilt Singes auskoppeln. Mit der aktuellen Schnelllebigkeit der Musik ist dies aber nicht zu vereinbaren. Es hat den Anschein, dass Konsumenten mit einem Album und den sofortigen Zugriff auf alle Songs schnell überdrüssig sind. Wenn dann ein Titel des Albums auch nur wenige Monate später ausgekoppelt werden soll, ist dieser Titel längst ein alter Hut. Das war für mich auch ziemlich bitter, da der Titel „She Knows How To Love me“ als Single rauskommen sollte und ich Teil des Titels war. Aber man kann sicher sein, dass wirklich sehr viele Dinge geplant sind. Ja, aktuell auch ein neues Album! Darüber hinaus auch eine etwas ungewöhnliche Zusammenarbeit mit einer jungen Dame, die sehr relevant in den social media Plattformen vertreten ist. Die Produktion hierzu habe ich schon abgeschlossen und freue mich sehr auf die Veröffentlichung. Es kann also gut sein, dass der Titel schon einfach mal rausgeschossen wurde, wenn dieses Interview gedruckt ist.

Du hast mit vielen großen Musikern zusammengearbeitet. Mit wem würdest du gerne mal an einem Song schreiben?
Die Zusammenarbeit mit großen Künstlern verläuft leider oft nur über das Internet in dem Files hin und hergeschickt werden. Es macht natürlich weitaus mehr Spaß zu reisen und mit den Künstlern an einem Tisch zu sitzen. Im Grunde ist es mir egal wie „groß“ ein Künstler ist, sondern wie angenehm die Zusammenarbeit ist und dass man eine gute Zeit hat. In der Vergangenheit bekam ich z.B. mal das Angebot an Beats für Lady Gaga mitzuarbeiten, was ich derzeit leider ablehnen musste, da wir in einer sehr arbeitsintensiven Phase steckten. Persönlich gefällt mir beispielsweise „The Weeknd“ von den aktuellen Künstlern sehr gut.

Gibt es aktuell weitere Projekte, an denen du arbeitest?
Ganze 7 Jahre arbeite ich nun fast ausschließlich mit/für David Guetta und habe seit diesem Jahr Pläne mit weiteren Artists zu kollaborieren. Anfragen gab und gibt es. Durch  meine Vergangenheit als Sounddesigner habe ich immer wieder an unterschiedlichsten Styles gearbeitet und bin dadurch glücklicherweise in der Lage, fast jedes Genre  authentisch zu bedienen. Ein weiteres Projekt im letzten Jahr war z.B. die Produktion von dem Titel „Haloes“ von „Ina Wroldsen“ (Bekannt als Sängerin des Titels „How Deep Is Your Love“ von Calvin Harris) Ich bin im Grunde immer aufgeschlossen für neue Projekte. Gerne auch mal im deutschen Raum, da bislang das meiste eher auf internationaler Basis stattfand. Diesbezüglich können gute Sängerinnen/Sänger und Songwriter auch sehr gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Was wissen die wenigsten über dich?
Ihr meint sowas wie… dass ich ein Kind von Udo Lindenberg bin, von dem niemand weiß? Nein, keine Ahnung. Bislang laufe ich in Sachen Musik ja auch eher „under the hood“ und nur Kenner in der Szene wissen, wer ich bin und was ich genau tue. Oder vielleicht, dass ich nicht klassischerweise mit 4 Jahren Klavierunterricht hatte oder auch sonst schon immer nur Musik im Kopf hatte.  Das kam nämlich alles erst mit ca. 16 Jahren. Damals als Drummer in einer Death Metal Band!  Ich kam eigentlich durch eine Metal Band „Fear Factory“ zur elektronischen Musik. Die Synthesizereinlagen in deren Tracks hatten mich fasziniert. Vor der Musik hat sich in meinem Leben alles zu 100% um Skateboarding gedreht mit allem was dazu gehört (Wettbewerbe, Sponsoren, Magazine usw.). Aber das ist eine andere  Geschichte.

Was war dein bisher liebstes Ziel, das du während deiner Musikkarriere besucht hast und warum?
Da gibt es sehr viele schöne Erinnerungen und Trips. Alle Reisen mit David sind eigentlich legendär. Dadurch habe ich natürlich schon so einige Festivals und Clubs miterlebt. Eine besondere Reise war mit Sicherheit nach Miami. David hatte 2014 eine Villa in Miami Beach gemietet, wo ich mit David und Fred für 10 Tage zusammenkommen sollte. Es war ein traumhaftes Objekt mit allen nur denkbaren Annehmlichkeiten. Ausflüge in die besten Clubs der Stadt waren nach einem sehr produktiven Arbeitstag an der Tagesordnung. Innerhalb dieses Meetings haben wir u.a. auch den Titel „Pelican“ gemacht. Der Name „Pelican“ kam mir, als ich morgens auf der großen Dachterrasse frühstückte und plötzlich ein riesiger Pelikan vor mir auftauchte und dicht über meinen Kopf flog. Für einen Deutschen kein so alltägliches Schauspiel. Besonders auch, weil es mit Fred eines der engsten und emotionalsten Zusammenarbeiten war. An dieser Stelle sei gesagt, dass Fred seit dem 25. Lebensjahr an Krebs litt und daher jedes Treffen absolut kostbar war. Leider ist Fred im vergangenen Jahr verstorben (RIP my friend).  Der Titel „Pelican“ hat daher auch eine besondere Bedeutung für mich in Zusammenhang mit dem Treffen in Miami.

Was sind deine weiteren Pläne mit deiner Musik?
„Everything is possible“. Da ich nicht nur auf einen bestimmten Stil festgelegt bin, kann die Reise in jede Richtung gehen. Generell… Viele Hits an den Start bringen ist nicht verkehrt. Es kann auch gut sein, dass ich spontan Lust bekomme, ein eigenes (DJ) Projekt oder sogar einen LiveAct mit Band zu starten. Who knows… Da gibt es noch sehr viel, auf das ich Lust habe und ausprobieren werde!

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!
Ich danke euch für euer Interesse an meiner Person und hoffe, dass ich im Rahmen dieses Interviews einen kleinen Überblick in meine Musikwelt vermitteln konnte. Es darf noch viel Musikalisches erwartet werden und ich freue mich auf eine möglichst Corona-freie Zukunft!  Cheers, Ralph

Instagram: ralph_wegner
Homepage: www.ralphwegner.com

Text: Izabela Chojnowska

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