DA HOOL

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Interview mit der Techno-Legende

Da Hool – ein deutscher DJ und Produzent, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der „Techno-Underground“ Ende der 1980er ans Licht der Öffentlichkeit geführt wurde. Er hat seit den 90er Jahren zahlreiche Tracks veröffentlicht, von denen viele zu wahren Hymnen avancierten, allen voran »Meet Her At The Loveparade«.

Dies macht Da Hool zu einem der wichtigsten Begründer der Elektronik-Avantgarde und zu einem erstrangigen Vertreter der Techno-Generation/Rave-Nation. Der Remix „The Funk Phenomena“ von Armand van Helden erschien im Jahr 2003 und wurde für den meistgespielten Song der englischen Musikszene ausgezeichnet. Unter seinem Alter Ego DJ Hooligan wurde er zu einem der wesentlichen Produktions-Vorreiter in Europa und avancierte zum Held des Untergrunds.

Hier ist er –ein Held– Frank Tomiczek alias Da Hool!

„Own The Night“ ist ein chilliges Lied. Das ist nicht dieser hammerscharfe Stil von Da Hool, die wir kennen. Wie entstehen deine Songs? Woher kommen die Ideen her?
Ich hatte einfach mal Bock auf so eine chillige Future Pop Nummer. Die Idee dazu entstand, wie so oft, bei einer unserer zahlreichen Grillsessions im Sommer, wo wir oft sehr chilligen Kram hören… Generell werde ich in verschiedenen Situationen von Dingen beeinflusst und es kommen mir die Ideen beim Autofahren, am Flughafen oder auch beim Sport. Wenn ich dann im Studio bin, fange ich direkt an, darauf loszuarbeiten.

Was war dein persönlich größter Erfolg, bisher?
Das wahr wohl definitiv mein größter Hit »Meet Her At The Love Parade«, welches auch gleich den internationalen Durchbruch für mich bedeutete.

Da Hool im Complex/Maastricht (NL) auf dem Event Bonzai Classics | Foto: Complex Maastricht

Du tourtest durch alle angesagten Clubs und Raves auf dem Globus und produziertest eigene Projekte unter unterschiedlichen Pseudonymen. Gibt es Auftritte, die dir in Erinnerungen geblieben sind?
Na klar, es gibt so viele. Meine ersten Male auf Mayday, Loveparade oder Tomorrowland waren wohl die emotionalsten für mich. Aber auch Shows in New York, Sydney, Rio de Janeiro, wo du denkst wie unfassbar geil und unglaublich es ist, dass die Leute dich und deine Musik hier am anderen Ende der Welt kennen und feiern. 

Um DJ zu werden gibt es keinen vorbestimmten Weg. Du kannst nicht einfach eine Ausbildung machen oder ein Studium absolvieren. Wie kam dir überhaupt die Idee, DJ zu werden? Wann hast du die Liebe zur Musik entdeckt und wie ging es mit der Karriere los?
Meine Liebe zur Musik fing in den Achtzigern in irgendwelchen Plattenläden an. Man höre und staune. Früher musste man Musik noch kaufen! Ich habe als Jugendlicher einen Großteil meines Taschengeldes für die neusten Scheiben ausgegeben und habe sehr viel Zeit im örtlichen Rekord Shop verbracht. Irgendwann kam die Zeit, wo ich in die Disco durfte und ich so begeistert von den DJ’s war, dass ich es unbedingt selber mal versuchen und selber DJ werden wollte. Als ich dann in meiner Ausbildung zum technischen Zeichner war, bekam ich tatsächlich die Chance in unserer Disco aufzulegen, wo ich vier Mal die Woche nebenbei jobbte. Mit Rick Astley und Kylie Minogue 🙂 Mit dem Aufkommen von Chicago House und Techno verschrieb ich mich dann jedoch immer mehr dieser elektronischen Sparte und ich fing an, wie viele DJ’S auch, selber Musik zu produzieren. Am Anfang weniger erfolgreich, wenn ich überhaupt mal von irgendeiner Plattenfirma eine Antwort auf meine Demos bekam, waren es meist nur Absagen. Doch dann eines Tages waren Ramon Zenker und Jens Lissat von No Respect total begeistert von einem Track, den ich denen geschickt habe, und das kam dann 1992 auf No Respect Records raus. Mein erstes Release ! Von da an wurden alle meine Tracks gespielt bei den DJs, auf den Raves, in den Clubs… das war der Stein , der ins Rollen kam, und plötzlich war ich ein Name, spielte auf den großen Raves wie Mayday, Loveparade usw. Aufgrund der Kommerzialisierung sprang dann auch die große Musikindustrie auf den Techno Boom auf und ich bekam meinen ersten großen Major Deal bei East West/Warner damals, wo meine erste Veröffentlichung Rave Nation mit 230.000 verkaufter CD’S direkt auf Platz 16 der Media Control Charts knallte. Das war dann eine andere Dimension für mich, meine Sachen waren plötzlich in den Charts neben Madonna und U2…

Da Hool im Studio | Foto: privat

Du hast ein eigenes Unternehmen »Hool-Productions« und dein eignen Label »B – Sides« gegründet. Erzähl uns etwas über deinen Weg dorthin.
Mein eigenes Label B-Sides hatte ich damals gegründet, weil sehr viel musikalischer Output da war und ich mir diese ewige „Demoverschickerei“ mit langen Antwortzeiten ersparen wollte. Das ging mir auf den Keks. Außerdem wollte ich unabhängig mit meinen Tracks agieren können. Du musst dir vorstellen – bei Plattenfirmen sitzen irgendwelche Typen wie du und ich und die entscheiden, ob denen eine Song Idee gefällt oder nicht. Ist es ein Hit oder nicht? Haben die einen schlechten Tag, landet deine Idee, in die du viel Hoffnung gesteckt hast, einfach im Papierkorb. Das allerbeste Beispiel ist »Meet Her At The Love Parade«. Das hatte ich meiner damaligen Plattenfirma angeboten, die fanden es nicht gut. „Es ist kein Hit. Mach doch mal was anderes.“ Ich habe sie dann selber auf B-Sides veröffentlicht und sie wurde fünfmal Gold.

Der erste Release auf deinem Label Da Hool „Meet Her At The Loveparade“ wurde in einer sehr kurzen Zeit zum Welthit. Wie ging deine musikalische Reise bis heute weiter?
Wenn Du mal einen Hit hast, dann öffnet das Türen überall. Die Nachfolge Singles waren allesamt in den Verkauf Charts. Ich habe in den darauffolgenden Jahren und bis heute viele Produktionen und Remixe für die unterschiedlichsten Künstler, Labels und Plattenfirmen gemacht. Momentan arbeite ich an meinem neuen Release für Armada Music.

Du spielst weiterhin bei den größten Festivals, wie Tomorrowland, Parookaville, Mayday, Nature One oder Bora Bora. Wo können wir dich demnächst sehen?
Ich spiele in den nächsten Wochen sehr viele Auslandsgigs u.a. in Paris, Belgien, Schweiz, Spanien, Polen usw.

Die Loveparade und die großen Raves waren ein Teil unserer Geschichte, eine geile Zeit, an der wir teilhaben durften. Wir leben im jetzt und heute und ich habe heute immer noch geile Momente auf den Events und Festivals, auf denen ich spiele.”

Aus der Sicht des DJs – vermisst Du die Anfangszeiten der Loveparade im Vergleich zu den heutigen Festivals, die mit immer größeren Superlativen aufwarten?
Ich vermisse gar nichts! Die Loveparade und die großen Raves waren ein Teil unserer Geschichte, eine geile Zeit, an der wir teilhaben durften. Wir leben im jetzt und heute und ich habe heute immer noch geile Momente auf den Events und Festivals, auf denen ich spiele. Ich gehöre sowieso nicht zu den: „früher war alles besser Typen“. Geht mit der Zeit oder ihr geht mit der Zeit! Die Welt entwickelt sich nun mal weiter und ich habe immer noch Spaß an dem was ich tue… Sowieso erinnern mich die heutigen Festivals an die großen Raves von früher, mit all ihrer Energie, nur dass es eben eine Spur pompöser ist.

Aktueller Release: Bora Bora 2.0 | Cover: Tiger Records

Was wissen die wenigsten über dich?
Wir hören beim Grillen auch gerne mal Julio Iglesias ab Pegel X :).

Gibt es Tipps, die du unbekannten Musikern geben kannst, um erfolgreich zu werden?
Ich denke das Wichtigste ist es, nie sein Ziel aus den Augen zu verlieren und nie aufzugeben, egal wie oft man auf die Schnauze fällt. Glaubt an euch, macht immer weiter und kopiert nicht! Gute und interessante Musik wird sich immer durchsetzen!

Da Hool, eine Legende, der immer in Erinnerung bleiben wird. Vielen Dank für das Interview und die Zeit, die du sich genommen hast!

Text: Izabela Chojnowska
Genre: House, Electronic Music, Dance
Plattenfirmen: Armada Music, Spinning Records, Ultra Music, B-Sides
Auszeichnungen: »Meet her at the Love Parade« – Gold in Germany, France, Australia, Southafrica, Benelux
Booking: booking@hool.tv

Socials Da Hool:
www.facebook.com/dahool
Instagram: dahool_official

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Izabela Chojnowska

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